Molecular Surveillance and Infection Chain Tracing for Local Public Health Authorities

MolTraX

Beteiligte Partner

MolTraX wird von den Standorten Universitätsklinik Düsseldorf durch Herrn Prof. Alexander Dilthey (DPhil, Institut für Medizinische Mikrobiologie und Krankenhaushygiene), Universitätsklinik Freiburg durch Herrn Prof. Dr. Hajo Grundmann (Institut für Infektionsprävention und Krankenhaushygiene), Universitätsmedizin Bielefeld durch Frau Prof. Dr. Claudia Hornberg (Sustainable Environmental Health Sciences Medizinische Fakultät OWL) und Universitätsmedizin Göttingen durch Frau Prof. Dr. Simone Scheithauer (Institut für Krankenhaushygiene und Infektiologie) koordiniert.

Außerdem sind die Charité Berlin (Prof. Dr. Christian Drosten), die Universitätsmedizin Bielefeld (Prof. Dr. Claudia Hornberg) und die Universitätsklinik Hamburg-Eppendorf (Prof. Dr. Nicole Fischer) daran beteiligt. MolTraX bezieht verschiedene Landesstellen sowie lokale Gesundheitsämter mit ein.

Förderung

Das Projekt wird im Rahmen der zweiten Förderlinie des Netzwerks Universitätsmedizin (NUM)vom Bundesministerium für Bildung und Forschung mit einer Projektlaufzeit von einem Jahr (Start 01.06-2022) gefördert.

Laufzeit 01.07.2022 bis 30.06.2023

Hintergrund

Die genomische Surveillance ist zu einem wesentlichen Instrument der Pandemievorsorge  und des Pandemiemanagements. Die GenSurv-Infrastruktur des NUM hat das Ziel Schlüsselelemente eines modernen Systems der genomischen Überwachung von Infektionserregern in Deutschland bereitzustellen, einschließlich von auf SARS-CoV-2 ausgerichteten Strategien für die effektive und effiziente Probensammlung, einem zentralen Data Hub für die Datenanalyse sowie einer Infrastruktur für die phänotypische Charakterisierung von SARS-CoV-2 Varianten.

Eine wesentliche Einschränkung einer integrierten genomischen Surveillance in Deutschland ist jedoch eine unzureichende systematische Einbindung lokaler Gesundheitsbehörden. Dabei spielen lokale Gesundheitsbehörden eine Schlüsselrolle im Pandemiemanagement und tragen zur frühen Identifikation von Infektionen, zur Verfolgung von Infektionsketten und zur Verzögerung der Virusausbreitung bei. Die Ganzgenomsequenzierung kann wertvolle Informationen liefern und lokale Gesundheitsbehörden unterstützen und so z. B. die – komplementär zur aufsuchenden Epidemiologie – verbesserte Erkennung von Ausbrüchen sowie eine verbesserte Kontaktverfolgung sicherstellen.

Gründe für die bislang fehlende strukturierte Einbindung liegen vor allem im (i) Fehlen klarer Empfehlungen, wann und wie sich die lokalen Gesundheitsbehörden an der genomischen Surveillance beteiligten sollten, (ii) Fehlen von Technologien und Interfaces zur integrierten Analyse von genetischen Daten, (iii) in weiten Teilen fehlendem Wissen und fehlende Kompetenz im Umgang mit genomischen Daten sowie (iv) Fehlen klarer Empfehlungen für die Interpretation und Nutzung genomischer Surveillance-Daten für die nachgelagerte lokale Entscheidungsfindung im Gesundheitswesen.

Zielsetzung

Das übergeordnete Ziel von MolTraX ist es, die effektive Nutzung der genomischen Surveillance durhc lokale Gesundheitsbehörden zu ermöglichen und die entwickelten Ergebnisse in die GenSurv-Infrastruktur zu integrieren. Während des einjährigen Entwicklungszeitraums werden insbesondere die folgenden Ziele verfolgt:

  1. Identifikation von Anwendungsbereichen und Sampling-Strategien für den lokalen ÖGD
  2. Entwicklung von Interfaces zu Tools und Best Practices für die integrierte Datenanalyse durch den lokalen ÖGD
  3. Integration der genomischen Surveillance in die Entscheidungsfindung und Kommunikation der lokalen ÖGD

Methodik

MolTraX wird insbesondere

  1. Empfehlungen dafür entwickeln, wann, wie und in welchem Zusammenhang lokale Gesundheitsbehörden sich an der genomischen Surveillance beteiligen sollten;
  2. Auf die Bedürfnisse des Öffentlichen Gesundheitsdienstes zugeschnittene Interfaces zur Verknüpfung von Tools zur Analyse von genetischen Daten, klassischer Kontaktnachverfolgung und dem GenSurv-Data-Hub entwickeln;
  3. Tool Kots zum Basiswissen und Kompetenzerlangung im Umgang mit diesen Datensätzen für den Öffentlichen Gesundheitsdienst entwickeln;
  4. Empfehlungen für die Nutzung und Kommunikation der genomischen Surveillance bei der Entscheidungsfindung durch lokale Gesundheitsbehörden ausarbeiten.

Dabei wird MolTraX im engen Austausch mit den lokalen Gesundheitsbehörden stehen.  Es werden zudem ein bis zwei Anwendungsfalltests zur Testung der entwickelten Empfehlungen und Strategien durchgeführt.

Mehrwert

MolTraX wird entscheidend zur Bekämpfung der aktuellen Pandemie und perspektivisch zur „Pandemic Preparedness“ gegen mögliche zukünftige Pandemien beitragen.

MolTraX wird eine genetische Untersuchung von Infektionsclustern und Infektionsketten sowie die effektive Nutzung der GenSurv-Infrastruktur durch den Öffentlichen Gesundheitsdienst strukturiert initiieren und dadurch zur Entwicklung von gezielteren und effektiveren Maßnahmen zur Infektionsprävention sowie zur Erkennung von Übertragungswegen beitragen. Damit wird ein entscheidender Beitrag zum Pandemiemanagement auf lokaler Ebene geleistet. Zudem wird das Projekt prototypisch eine effektive Ressourcenverwendung im ÖGD verfolgen. MolTraX wird die Möglichkeiten der lokalen Gesundheitsbehörden zu einer genomisch fundierten „reaktiven“ Nutzung von genomischer Surveillance, z. B. im Fall von vermuteten Ausbrüchen oder Superspreading-Ereignissen, erhöhen. Dabei wird der Weg für eine effektive Nutzung von genomischen Surveillance-Daten in den Entscheidungs- und Kommunikationsprozessen der lokalen Gesundheitsbehörden geebnet. Durch die Erweiterung der GenSurv-Infrastruktur sowie durch die Integration der lokalen Gesundheitsbehörden in die GenSurv-Infrastrukturen schließt MolTraX den sogenannten „Zirkel der genomischen Surveillance“ für Deutschland und erhöht somit die Chance zur Resilienz des deutschen Gesundheitswesens gegenüber zukünftigen Pandemien.

NUM

Um die Aktivitäten der deutschen Universitätsmedizin zur Bewältigung der aktuellen Pandemie-Krise zu bündeln und zu stärken, haben sich alle 36 Universitätskliniken bundesweit zum nationalen Forschungsverbund „Netzwerk Universitätsmedizin“ (NUM) zusammengeschlossen. Dieses Netzwerk wird vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF)  unterstützt und von der Charité – Universitätsmedizin Berlin koordiniert.

Über das Netzwerk werden die Maßnahmenpläne, Diagnostik- und Behandlungsstrategien der deutschen Universitätskliniken zusammengeführt und ausgewertet. Auf diese Weise sollen Strukturen und Prozesse in den Kliniken geschaffen werden, die eine optimierte und vereinheitlichte Diagnose und Versorgung der COVID-19-Patient*innen sicherstellen.

Das Netzwerk Universitätsmedizin befindet sich derzeit in der zweiten Förderphase.

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